Wie ich zur Kunstmalerei kam?

Wann immer ich ein Bild male, bekomme ich viel Lob von anderen Menschen dafür. Viele glauben, dass mir das einfach so in den Schoß gefallen sei, ich Talent dafür hätte und Sie selbst nie dazu in der Lage wären. Dem möchte ich widersprechen. Ohne Zweifel gehört ein gewisses Talent dazu, kreativ tätig zu sein. Es ist aber nicht so, dass ich von Anfang an solch schöne Bilder malen konnte. Ich musste mir dieses Talent hart erarbeiten. Es hat sehr lange gedauert und war mit viel Frust, Ärger und Enttäuschungen verbunden. Mehrmals wollte ich aufgeben, weil die Ergebnisse nicht meinen Vorstellungen entsprachen.

Malen als Therapie gegen die hohen Ansprüche an mich selbst und den verdammten Perfektionismus.

Ich habe damit 2009, bei meinem ersten Aufenthalt in einer psychiatrischen Tagesklinik begonnen. Ich war dort wegen Depressionen und sozialen Ängsten. Wer noch nie in einer Psychiatrie oder einer psychosomatischen Klinik war sollte wissen, dass dort je nach Ausrichtung der Klinik ein Hauptbestandteil der Therapie aus Kunsttherapie oder Ergotherapie besteht. Zum besseren Verständnis möchte ich kurz den Unterschied erklären. Bei der Kunsttherapie bekommt man meist eine Aufgabe vorgegeben, die, wie könnte es anders sein, einem therapeutischen Zweck dient. Ist das, mal mehr, mal weniger gelungene Kunstwerk abgeschlossen, setzen sich die Patienten in einem Kreis und der Therapeut/ die Therapeutin regt dazu an, das eigene Werk vorzustellen und zu sagen, was es darstellt oder darstellen soll (den Begriff künstlerische Freiheit fand ich noch nie so treffend, wie in dieser Therapie). Danach können die anderen Patienten etwas zum Werk sagen bzw. was Sie darin sehen, was der Künstler selbst vielleicht gar nicht erkannt hat. Wir hatten da zwei sehr begabte Künstler, die wunderschöne Bilder mit Acryl gemalt haben. Ich verglich mich ständig mit den beiden, die so toll malen konnten während meine Bilder eher wie die eines kleinen Kindes aussahen, das zum ersten Mal malte.

Meine Anfänge und Fortschritte können Sie in meiner Galerie sehr schön erkennen. Die ersten Bilder sind hier gar nicht zu sehen, da sie so furchtbar waren, dass ich sie zeriss oder gar nicht mit nach Hause nahm. Das erste Bild nach einer Vorlage ist das Bild Sonnenuntergang.

Ich hatte die Ergotherapie immer gehasst, weil ich dort etwas mit meinen Händen machen musste und andere noch dabei zuschauten. Durch meine sozialen Ängste fühlte ich mich dabei besonders in den Mittelpunkt gestellt und beobachtet. Versagensängste kamen auf und ich fühlte mich extrem unwohl beim Malen.

Meine Ergotherapeutin hatte mir die Pastellkreide empfohlen, weil Sie der Ansicht war, dass mir das dabei helfen könnte, besser mit meinem Perfektionismus und den hohen Ansprüchen an mich selbst klarzukommen.

Es ist gar nicht möglich mit der Pastellkreide so exakt zu arbeiten wie z. B. mit Acryl, denn die Kreide wird mit den Fingern verwischt, womit man unglaublich tolle Farbverläufe und -übergange erzeugen kann. Man hat aber keinen exakten Einfluss darauf. Je nachdem ob man leichter oder fester wischt, schneller oder langsamer, mit größeren Bewegungen oder kleineren, entstehen unterschiedliche Farbtöne und Verläufe.

Ich bin meiner Ergotherapeutin sehr dankbar, dass Sie mir dieses Material empfohlen hat. Es hat mir wirklich dabei geholfen mit meinem Perfektionismus besser klarzukommen und ich kann mich heute viel eher auf Neues und Unbekanntes einlassen.